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Ein Mittwoch mit Musterung

Nachdem die Fahrgemeinschaft an ihrem Ziel angekommen ist, standen wir vor der Musterungsstelle. Komischerweise fuhr auf der Hinfahrt die Polizei die ganze Zeit vor uns und wie wir später bemerkten, auf der Heimfahrt, hinter uns. In dem Moment musste ich an die Stelle im Musterungsbescheid denken, in der stand, dass man polizeilich zur Musterung gebracht wird, sollte man dort nicht von selbst erscheinen. Vielleicht wollten sie sicher gehen, dass wir auch kommen. Das erste, das man im Gebäude machen musste, war sein Handy auszuschalten. Entweder um jeden möglichen Kontakt nach außen zu verhindern, oder um die höchstempfindlichen Geräte, auf die ich später noch mal zu sprechen komme, nicht zu stören. Bei der eigentlichen Anmeldung ist dann ein bisschen schauspielerisches Talent gefragt. Hier kann man sich nämlich die Kosten für die Hinfahrt erstatten lassen. Man muss sich vielleicht einen skeptischen Blick gefallen lassen, da sich die Frau hinterm Schreibtisch über die Anzahl der Kulmbacher wundert, die alle allein gefahren sind, aber das ist auszuhalten. Danach ging es, eine Etage höher, bei mir mit einer kleinen Unterhaltung weiter. Hier wurden dann Dinge geklärt, ob man mit einer Tastatur umgehen kann, oder ob man Sport treibt. Jedoch reicht hier die Aussage, dass man mit zwei Fingern seinen Namen tippen kann und dass man schon mal erfolgreich auf einem Fahrrad saß ohne einen Schädelbasisbruch erlitten zu haben. Des weiteren wollte diese Frau, die ebenfalls an einem Schreibtisch saß, wissen, wie viele Kilometer ich denn schon mit einem Auto gefahren bin und welche Leistungskurse ich habe. Bei den gefahrenen Kilometern hab ich gleich mal ziemlich übertrieben. Ich hab gedacht, vielleicht mustern sie mich dann gleich aus, wenn sie merken, dass mit mir ein enormer Benzinverlust einhergeht. Wofür aber mein Kunst Leistungskurs beim Bund relevant sein sollte ist mir bis heute nicht ganz bewusst. Dann kam die wahrscheinlich wichtigste Frage an diesem Tag: „Wollen sie ihren Wehrdienst leisten, oder wollen sie Kriegsdienst verweigern?“ Mir wurde vor meiner Musterung erzählt, dass diese Frage genauso gut hätte sein können: „Wollen sie ihrer normalen Pflicht nachgehen, oder wollen sie ihr Vaterland im Stich lassen?“ Daher hielt ich es für sinnvoll, erst mal zu sagen, dass ich zur Marine geh. Verweigern geht später immer noch. Auf die Frage, warum ich denn gerade zur Marine will, fiel mir dann nur ein: „Warum nicht?“ Die Frau lachte. Damit war dieses Gespräch dann auch vorbei und ich wurde wieder nach unten gebracht. Dann war ich in einer Art Wartezimmer, in der immer durchschnittlich sechs Schließfächer waren, die funktionierten, drei, die nicht mehr funktionierten und sieben Leute, die darauf warteten, dass sie aufgerufen wurden. Hier hat man seine Mitfahrer dann wieder getroffen und nach einer Zeit und konnte man feststellen, dass viele das vorherige Gespräch minimal eigenartig fanden. Nach einer gewissen Wartezeit war ich dann an der Reihe um einen kleinen weißen Becher voll zu machen. Auch in diesem Zimmer, eine Frau an einem Schreibtisch. Mit den Worten: „Wenn’s nicht gleich kommt, machen wir das dann später.“, schickte sie mich auf die Toilette. Als ich drin war, gleich der erste Schock. Am Waschbecken ein Zettel mit: DEFEKT... Für mich war klar, jetzt darf nichts schief gehen. Die mir gestellte Aufgabe mit Bravur bestanden, ging ich wieder ins Zimmer, dann sagte die Frau in einem belehrenden Ton zu mir: „Eigentlich solltet ihr hier ja schon umgezogen reinkommen.“„Für die Urinprobe?“ fragte ich leicht verdutzt.„Wir sind ja noch nicht fertig.“ Es folgte nur noch der Sehtest und eine Messung der Körpergröße und des Gewichts, für die ich mich sowieso bis auf die Boxershorts ausziehen musste...soviel dazu. Nachdem sich mein Urin nicht verfärbt hat, durfte ich wieder zurück ins Wartezimmer. Dort angekommen kam dann auch gleich eine Durchsage: „Alle Wartenden möchten sich bitte jetzt sofort umziehen!“ Jetzt musste ich lachen. Daraufhin kam ich dann in ein anderes Zimmer, doch dann...der nächste Schock... ein Mann hinter dem Schreibtisch, keine Frau. Ich wusste, hier stimmt etwas nicht. Nach kurzer Verwunderung setzte ich mich auf den Stuhl, gegenüber von dem älteren Herrn mit dem seltsamen Akzent. Jetzt folgte eine ausführliche Befragung über meine gesamte Krankengeschichte. Tragen sie eine Brille? Ich schaute ihn kurz an, wartete einen Moment: -„Nein.“ Hatten sie die Windpocken?“ -„Ja.“ „Wann war das?“ Ich schaute ihn wieder an, doch diesmal wartete ich länger... „Das weis ich leider nicht mehr.“ Er stellte weitere Fragen. „Wurden sie schon mal operiert oder haben sie sich schon mal was gebrochen?“ –„Nein.“ „Sie lagen also noch nie im Krankenhaus?!“ –„Nein.“ Sagte ich. Er war sichtlich enttäuscht. „Trinken sie Alkohol?“ Ich überlegte kurz. –„Gelegentlich?“ Jetzt schaute er mich an. „Okay, gelegentlich! Haben sie schon mal Drogen genommen?“ –„Nein.“ Ich fragte mich, ob auch schon mal jemand mit Ja geantwortet hat. Von einem der anderen, die im Wartezimmer saßen, erfuhr ich jedenfalls, dass der alte Mann diese Frage auch stellt, wenn er die Antwort schon durch den Urintest kennt. „Kamen in ihrer Familie Fälle von Krebs, Diabetes oder Geisteskrankheiten vor?“ –„Es wurde nichts diagnostiziert, aber ich hab so meine Vermutungen.“ „Antworten sie mit Ja oder mit Nein!“ -„Nein...“ Mein Versuch die Stimmung zu lockern schlug fehl... Damit war der formelle Teil erledigt und dann ging es mit der vieldiskutierten Ganzkörperuntersuchung weiter, bei der Arme und Beine rumgeschleudert werden um zu sehen wie stark man sie rumschleudern kann. Bei dieser Untersuchung wird festgestellt für was man alles nicht geeignet ist, wenn man zur Bundeswehr geht. Der Satz: „Deswegen kann ich Sie aber leider nicht ausmustern...“, kam allerdings ohne Aufforderung relativ oft vor, so als wüssten sie genau, warum ich hier bin und was mir durch den Kopf geht. Nichts desto trotz ging auch diese Untersuchung vorüber, zwar nicht mit dem Ergebnis, das ich mir erhofft hatte, aber sie ging vorüber. Am Ende meiner Musterung folgte dann nur noch eine Unterhaltung, bei der mir ein Protokoll über meinen gesamten Tagesablauf gezeigt wurde. Hier wurde zwar mit mir geredet, als wäre ich bei meinen gesamten Untersuchungen und Gesprächen dieses Tages gar nicht dabei gewesen, aber das war mir dann auch nicht mehr weiter wichtig, denn mit den Worten „Sie sind hier auch gleich fertig.“ war ich dann auch nur noch körperlich anwesend.
10.2.12 01:18
 


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